…und ich hätte gerne den Frühling gefragt, ob er nicht Lust hat, noch etwas zu bleiben.
Oder den Herbst, ob er nicht Lust hätte, früher zu kommen. Mit frischer Luft und seiner Fülle an Farben, mit Ernte und Frucht.
Da sagte der Frühling zu mir,
dass er jetzt auch nicht vor hat, ewig zu bleiben. Das würde irgendwann uns beiden zu viel.
Da sagte der Herbst,
ich hätte die Rechnung ohne den Wirt gemacht, ich wolle ja schließlich auch guten Wein und er wusste, wie sehr mir der Duft eines frischen Brotes sanft über die Seele streicht. Und damit hatte er recht. Das hatte ich wohl vergessen.
Da wischte ich mir den Schweiß von der Stirn, raffte mich auf. Nicht ohne ein Nickerchen im Schattenspiel unter dem Apfelbaum.
Da sagte der Sommer,
ich solle mal lieber nicht ständig rumerzählen, was früher besser war. Und auch nicht rumnörgeln, was noch bis Morgen zu tun sei. Bis der Herbst kommt.
„Jetzt mach mal dein Nickerchen…“, sagte er träge und faul. „Du weißt, meine Nächte sind kühl und ich weiß, wie sehr du den Sternenhimmel magst. Der Winter kommt früh genug. Also genieße mein Licht!“
Und wenn der Sommer was sagt, dann ist er da.
Da hab ich mein Schläfchen gemacht und von der sternklaren Nacht geträumt.
Ein Schmetterling flog mir aufs Haar.
Frank Cornelius 7.2015