Vom Geißemeckeler

Wer war denn der Schützenklaus, als das Trugbild des Klaus Späth, zu Lebzeiten Forstknecht der Oberen? Willfährig und hinterlistig hatte er sein Amt dazu missbraucht, den ehrlichen, armen Bauern das Leben madig zu machen.

Die Geißen wollte er aus dem Wald verbannen, weil sie die saftigen Jungtriebe verbissen. Doch für manch einen waren die Geißen der letzte Besitz. Was wollte man anderes machen, um nicht elendig zu verrecken, als die Viecher des Nachts in den Wald zu lassen? Und der Wildschütz und Forstknecht verdiente sich durch seinen Anteil am Strafgeld so manchen Gulden dazu. Er verdiente wohl so gut, dass eine teuflische Gier seine Seele erfasste. Bald hatte er einige Listen parat, um zu wissen, ob die Ziegen zur Nacht in den Wald gebracht wurden. Dann schlich er sich um die Höfe und meckerte leise. Blieb es still, so konnte er sicher sein, die Geißen waren draußen und verbissen den Wald.

Vom Lohn aus den Strafen besessen, ließ er es damit jedoch nicht bewenden. Bald lockte er selbst mit seinem Gemecker die Tiere hinaus in den Wald. Nur um am kommenden Tag dem armen, gramgebeugten Besitzer den Strafzins zu nehmen.

Dann betrat er mit all seinem starken Gehabe im grünen Jagdanzug, die Flinte geschultert, mit seinen Kötern den schäbigen Hof und nahm auch das letzte Scherflein mit sich. Was scherte ihn diese Not, was ging ihn das Bitten und Betteln an? Je geknickter eine verzweifelte Witwe, je größer der Rausch seiner Macht. Bis eine davon ihn verfluchte und aussprach, was all die anderen Leute nur zwischen den Zähnen zu tuscheln wagten.

Wollest du dreister Halunke doch ewig im Wald umgehen und meckern!“