Im Schutze des Klosters

Sein Leib bestand nur noch aus Schmerzen. Durch die schmalen Schlitze der Schandmaske sah er den Abt. Der legte den Richterstab auf den hölzernen Tisch nieder. Für alle Anwesenden sichtbar. Wenn der Abt den Stab niederlegte, ging es um Hals und Hand. Jetzt hatte der Blutvogt das Sagen.

Die Vierundzwanzig Richter waren vereidigt. Und er wurde vor die Schranken geführt. So wollte es der Brauch am Gerichtstag. So stand er da, vor den Toren der Kanzlei, unter dem grauen Himmel. Auch das wollte der Brauch. Doch war er nicht von den Banden befreit. Das schien den Scharfrichtern zu bedrohlich zu sein.

Das Urgicht, von sieben Zeugen beglaubigt, wurde verlesen. Der Pöbel raunte laut auf. Die Daumenschrauben, Zeugen der peinlichen Befragung, quetschten noch immer auf Haut und Knochen. Alle sollten seine Gefährlichkeit sehen. Als könne er ohne die Maske einen der Schaulustigen beißen. Als könne er ohne die Schrauben einen Unschuldigen würgen. Die Welt schwankte. Er hatte gestanden! Die Kläger, Advokaten des Klosters, fuhren mit spitzer Zunge über die Lippen, ergötzt von seiner Pein. Der Bauer, der seine Fürsprache hielt, sprach schüchtern und leise. Vom Schwert des Freiburger Henkers tropfte das Blut.

Die Stille fiel über ihn her, als der Stab in den Händen des Blutvogts zerbrach. Laut dröhnte es in seinem Kopf, als bräche man ihm das Genick. Doch das Urteil, mit Abscheu gesprochen, sollte so milde nicht sein. Sie wollten ihn brennen sehen.

Auf dem Scheiterhaufen neben dem Galgen. Dort würde die Mörderin hängen. Sie kam vor ihm dran und war ihm egal. Im Tod bist du dir selbst der Nächste. Und er, er war der Hexer, der Buhle der Kandelweiber. Das Geständnis nahm ihm die Todsünden ab. Wenigstens das. Er wollte nicht in Sünde gehen. Er wollte gar nicht gehen!

Zitternd knickte er ein. Spürte die groben Hände, die an ihm zerrten und auf den Karren warfen. Die Untertanen standen dem Tross Spalier. Zornige Blicke, wildes Geschrei, obszöne Gesten stürzten zugleich auf ihn ein. Er hörte es nicht. Und er sah all das in einer anderen Zeit. Nur langsam erfasste sein Verstand den hämischen Spott, der sich über ihn ausgoss:

Bonifaz, Teufelsfratz; Hexerei, Ketzerei; Schwert blitzt, Blut spritzt; Schandtat, Gottesrat Feuerpfahl, Seelenqual –

Heute fährst du zur Hölle!“