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Lag lebe der Tod

Die Fortsetzung zu „Eine Nacht in Teufels Küche“ nimmt Gestalt an:

Ort des Geschehens: Banat 1785 – 1794; Paris 1789 – 1794, St.Märgen/HSW um 1800

Der Tod – zeitlos

Unvermittelt wehte der Wind einen Fetzen Papier durch die Lüfte und drückte ihn in die Falten SEINES Gewandes. Sorgsam strich ER es glatt und die Zeichnung darauf ließ IHN das eben noch fesselnde Schauspiel vergessen. Das gefährlichste Raubtier des Erdkreises weckte SEIN uneingeschränktes Interesse. IHM bot sich das Bildnis eines gebeugten Mannes, ein Bauer mochte es sein, der eine schwere Last auf sich trug. Zwei Männer saßen ihm auf dem Buckel und freuten sich daran, nicht aus eigener Kraft laufen zu müssen. Die würdevolle Robe des einen, wies ihn als Priester aus. Ein Beffchenbügler, wohlgenährt, mit festen Schenkeln und Waden. Die Füße steckten in Schnallenschuhen, einen Finger der Rechten schmückte ein Ring. Die Linke spielte mit einem Kettchen um seinen Hals, ein Kreuz pendelte daran hin und her. Seine Locken umrahmten ein feistes Gesicht, aus dem ein selbstgefälliges Lächeln die Mundwinkel hochzog. Der Tod konnte förmlich das widerliche Parfüm schmecken, das solch ein Kerl sich reichlich um Hals und Nacken zerstäubte.

Hinter ihm machte sich ein Stellvertreter des zweiten Standes mit fettem Hintern breit. Üppiger Federschmuck wallte vom Hut, ein blinkender Orden zierte die Brust, sein Grinsen stand dem anderen in nichts nach. Ein Säbel baumelte von seiner Hüfte hinab und die Spitze berührte beinahe den Boden. Ein Schleifchen am Kniebund der Hose mochte der neuesten Mode entsprechen. Auch er wollte sich die Schuhe nicht schmutzig machen. Dieser Mann zog sicherlich nicht in den Krieg. „Ein Stück Scheiße im Seidenstrumpf.“ So hätte Napoleon Bonarparte ihn genannt.

Wie lange mochte der Bauer das Possenspiel wohl noch ertragen? Seinen König liebte er schon lange nicht mehr, nein, er misstraute ihm und hegte sogar den Verdacht, dass der Monarch ihn aushungern wolle, während die hohen Herren auf seinen Schultern mit ihren Extravaganzen nicht nachließen, den Staatssäckel zu plündern.

Warum aber hatte der Zeichner dieser Satire die Frauen und Kinder vergessen? So überlegte der Tod. Wo es doch sie sind, die statt eines Laibes Brot den Staub der Geschichte zu fressen bekommen. Es ist immer dasselbe. Die Schwachen werden im Bodensatz der Willkür zertreten. Allein der Stärkere überlebt.

Man Tanzt auf einem Vulkan und wenn der seine glühende Lawa über Frankreich, ja ganz Europa, ergießt, dann ist am Ende nichts wie es war. Der Tod schnippte SEINE Lektüre zu Boden. Es gab reichlich zu tun.